Schallschutzschürzen rücken dem Lärm bei Schienenfahrzeugen zu Leibe:

Veröffentlicht am Montag 07 Januar 2008 10:49:30 von Uwe_Schroeder

"Mantel" bewirkt bei Loks und Triebwagen Wunder

Studien bestätigen: Verkehr ist Lärmursache Nummer 1 und gesundheitsschädlich

Etwa 13 Millionen Deutsche sind laut Umweltbundesamt Geräuschpegeln ausgesetzt, die Gesundheitsschäden verursachen. Schon 60 Dezibel (dB) Dauerbelastung - ein Gespräch in normaler Lautstärke hat 65 dB - können Herz und Kreislauf schädigen. Lärmverursacher Nummer 1 ist der Verkehr - auch der auf der Schiene. Schallschutzschürzen, Flüsterbremsen und moderne Kühlanlagen reduzieren dort künftig wirksam die Lärmentstehung. 10 dB weniger Lärm pro Maßnahme sind möglich - das entspricht jeweils einer wahrnehmbaren Halbierung der Lautstärke.


Schätzungen des BUND gehen davon aus, dass in Deutschland rund 10.000 Herzinfarkte pro Jahr auf Verkehrslärm zurückzuführen sind. Dr. Christian Maschke, Experte für technische und psychophysiologische Akustik und Lärmmedizin in Berlin, warnt vor den Folgen durch Lärmbelästigung. Rund 65 Prozent der Deutschen fühlen sich durch Straßenlärm, knapp 40 Prozent durch Fluglärm und etwas über 20 Prozent durch Schienenlärm in ihrer Wohnumgebung belästigt. "Ab einem Dauerschall von 60 dB am Tag und 50 dB in der Nacht steigt das Herzinfarkt-Risiko exponentiell an", so Maschke. Zum Vergleich: Ein lärmender Rasenmäher in zehn Meter Entfernung verursacht 70 dB.

Neue Lösungen wirken direkt an der Lärmquelle

Trotz guter Vergleichszahlen besteht im Schienenverkehr Handlungsbedarf. Bahnchef Hartmut Mehdorn will bis 2020 die Lärmbelastung allein im Güterverkehr halbieren. Flüsterbremsen (neue Bremsklötze, welche die Radflächen nicht aufrauhen: K-Sohlen aus Kunststoff statt GG-Sohlen aus Grauguss) sollen das Problem lösen. Rund 3.100 Güterwaggons sind mit der neuen Technik bereits aus- oder umgerüstet. Weitere 135.000 Wagen kommen dafür in Frage. Den Nutzen der Flüsterbremsen beziffert der Berliner Professor Markus Hecht, Mitglied im Forschungsverbund Leiser Verkehr, mit 3 bis 11 dB. Bei der Suche nach neuen Lösungen unterscheidet die Wissenschaft zwischen primären Maßnahmen, "die den Lärm nahe an der Quelle, also dem Fahrzeug und Gleis, reduzieren, und sekundären, die auf dem Ausbreitungsweg wirken", so Hecht. Zu letzteren zählen Schallschutzfenster oder Schallschutzwände.

Primär wirken auch die Schallschutzschürzen im EcoPack von Voith Turbo, einem innovativen Schienenfahrzeugantriebssystem, welches neben Verbrauchs- und Emissionsreduzierungen auch hinsichtlich der Lärmminderung optimiert wurde. "Die Schallschutzschürzen hindern den Schall bei der Ausbreitung und absorbieren ihn teilweise in unmittelbarer Nähe der Lärmquelle", beschreibt Heinz Tengler, Leiter Produktgruppe hydrodynamische Antriebe von Voith Turbo, deren Funktionsweise. Die Schallschutzschürzen bestehen aus einem glasfaserverstärkten Verbundwerkstoff und Absorptionsmaterialien. Ihre Wirksamkeit konnte Voith Turbo mittels Simulationen und durch Messungen mit einer akustischen Kamera unter Beweis stellen. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch ein geringes Gewicht aus.

Hybrid-Technik reduziert Lärm

Schallschutzschürzen lassen sich individuell an das jeweilige Zugmodell anpassen; Nachrüstungen bei bestehenden Loks und Triebwagen sind ebenfalls möglich. Auf diese Weise lässt sich der Lärm um bis zu 10 dB reduzieren. Der in den neu entwickelten Kühlanlagen von Voith Turbo verbaute Ventilator SilentVent senkt das Geräuschaufkommen nochmals um bis zu 5 dB.

Neben Schallschutzschürzen und dem Einsatz des SilentVents sorgt die ausgeklügelte elektronische Steuerung namens VTDCeco für weitere Geräuschreduzierungen - etwa durch ein lärmoptimiertes Management der Hilfsbetriebe wie der Klimaanlage und der Bordelektrik. Das Ganze wird abhängig von der Fahrgeschwindigkeit gesteuert, so dass die Fahrgäste einen optimalen Fahrkomfort genießen.

Die im EcoPack eingebaute hydrostatische Rekuperation oder das SteamDrive-System (hier wird Abgaswärme in elektrische Energie zur Versorgung der Nebenaggregate umgewandelt) mindern den Lärm zusätzlich. Die Hybridlösungen sorgen nicht nur für weitere Antriebsmöglichkeiten, sondern erlauben auch das Abschalten des Dieselmotors bei Bahnhofseinfahrten, dem dortigen Aufenthalt und bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof. Das spart Treibstoff, schont die Umwelt - und vor allem die Ohren der Fahrgäste am Bahnsteig.

Text und Bildmaterial stehen zum kostenlosen Download bereit im Ressort Technik unter www.der-pressedienst.de

http://www.directnewsroom.de/servlets/LoadBinaryServlet/2224711/VoithTurbo_Antriebskonzept_EcoPack.jpg
Voith Turbo hat das weltweit erste Dieselhybrid-Antriebssystem für Schienenfahrzeuge entwickelt. Mit sieben Innovationen senkt das EcoPack den Kraftstoffverbrauch sowie die Lärm- und Schadstoffemissionen. Das Antriebssystem kann in Teilen wie komplett auch in bestehende Loks oder Triebwagen nachgerüstet werden.

http://www.directnewsroom.de/servlets/LoadBinaryServlet/2224724/UST_02_GMBSchall.jpg
Am Schienenmessfahrzeug UST 02 der Gleisbaumechanik Brandenburg lässt sich durch Schallschutzschürzen das Geräuschaufkommen um 7 dB (A) senken. Die Schürzen sind eine von sieben Innovationen des Hybrid-Antriebspaketes EcoPack von Voith Turbo, das für Lärm- und Kraftstoffreduzierung steht.

Hintergrund-Info zum EcoPack

Das EcoPack von Voith Turbo ist das weltweit erste Hybrid-Antriebspaket für dieselhydraulisch angetriebene Triebwagen und Lokomotiven, kurz Diesel-Hydrobrid. Sieben innovative Komponenten sorgen für richtungweisende Verbesserungen in den Bereichen Ressourcenschonung, Emissionsminimierung und Lärmreduzierung.

Der SilentVent (Ventilator der Kühlanlage) und die Schallschutzschürzen mindern das Geräuschaufkommen um bis zu 10 dB. Ein Dampfexpander ("SteamDrive") versorgt das Fahrzeug auch bei abgeschaltetem Dieselmotor mit elektrischer Energie. Der SteamTrac nutzt bisher ungenutzte Abwärme der Antriebsanlage um daraus zusätzliche Antriebsenergie zu gewinnen. Das vermindert weiter den Kraftstoffverbrauch und senkt die Lärmentstehung am Dieselmotor.

Die hydrostatische Rekuperationseinheit speichert die beim Abbremsen des Fahrzeugs gewonnene Energie und ermöglicht eine rein hydrostatische Bahnhofsausfahrt. Die elektronische Einheit VTDCeco steuert die gesamte Antriebseinheit inklusive aller Energiequellen. Angepasste Kühlparameter und Dieselmotordrehzahlen sowie Motorabschaltung und eine ECO-Fahrstufe dienen der Geräusch- und Verbrauchsoptimierung. Dies alles führt zu Kraftstoffeinsparungen von durchschnittlich 15 Prozent. Ein Dieselpartikelfilter reduziert den Ausstoß von Dieselpartikeln um 95 Prozent.

Alle sieben Komponenten des EcoPack von Voith Turbo können einzeln oder im Verbund in bestehende Loks oder Triebwagen eingebaut bzw. nachgerüstet werden. Aufgrund seiner Einzigartigkeit wurde das EcoPack zum "Innovationspreis der deutschen Wirtschaft" und zum "Innovation Award" in England angemeldet.

Hintergrund-Info zu Voith Turbo

Voith Turbo, der Spezialist für hydrodynamische Antriebs-, Kupplungs- und Bremssysteme für den Einsatz auf der Straße, der Schiene, in der Industrie und für Schiffsantriebe, ist ein Konzernbereich der Voith AG. Auf der internationalen Leitmesse für Schienenfahrzeuge, der InnoTrans, präsentierte Voith Turbo im September 2006 in Berlin mit der "Maxima" die erste dieselhydraulische Voith-Lok. Auf allen Kontinenten werden Schienenfahrzeuge mit Komponenten wie Getriebe, Kühlanlagen, Gelenkwellen, Kupplungen oder kompletten Frond-Ends von Voith Turbo ausgestattet.


Ansprechpartner:
Klaus Peter Betz
ecomBETZ PR GmbH
Tel. 07171-92529-91
E-Mail: k.betz@ecombetz.de



Artikel aus Managermagazin vom 7.1.08


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