Hamburger demonstrieren
Veröffentlicht am Montag 24 September 2007 11:28:36 von Admin
Demonstration gegen Schienenlärm: 300 Betroffene protestierten am Sonnabend am S-Bahnhof Barmbek für Lärmschutzwände auf der gesamten Länge der Ausbaustrecke der Güterumgehungsbahn. Ab Dezember werden täglich mehr als 80 Güterzüge durch den dicht besiedelten Westen und die Stadtmitte rollen, alle zwölf Minuten, bis zu 120 Kilometer pro Stunde schnell.
"Eine Zangengeburt erster Güte", nennt der Vorsitzende der IG Schienenlärm, Uwe Schröder, die schleppenden Fortschritte um den Bau von Lärmschutzwänden. Die sind bislang allein in den westlichen Stadtteilen von Alsterdorf bis Niendorf geplant: Grundstückseigentümer sammelten 1,55 Millionen Euro, die Stadt verdoppelt den Betrag, der Bund gibt Zuschüsse. Die Deutsche Bahn ist aus der Verantwortung, da die Strecke erweitert und nicht neu gebaut wird. In Barmbek, Dulsberg und Hamm dagegen hätten sich die großen Wohnungsgesellschaften wie Saga/GWG nicht um eine ähnliche Lösung bemüht, sagt Schröder. Zudem wurden hier bereits vereinzelt Wohnungen mit Fenstern ausgestattet, die besser schallisoliert sind, weshalb sich der Bund weigert, Lärmschutzwände zu unterstützen. "100 000 Menschen sind betroffen", sagt Vera Mewing vom Verein Lärmschutz für Barmbek und Dulsberg. Der Kampf ist nicht zu Ende, bekräftigt der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Wilfried Buss, Mieter müssten Druck auf Vermieter machen, sich an den Schutzwänden zu beteiligen. "Wir befürchten eine Entwertung der Stadtteile", sagt Wilfried Lehmpfuhl vom Mieterverein zu Hamburg. Die Menschen würden aus dem Stadtteil getrieben. Nachrücken würden Menschen, die ihr Augenmerk allein auf niedrige Mieten richten. Doch auch dort, wo die Wände sicher kommen werden, ist man sauer: "400 000 Euro haben wir zusätzlich gespendet, damit die Lärmschutzwand höher und länger wird", sagt der Groß Borsteler Sven Brücker. Doch auf jeden Meter Lärmschutzwand will die Bahn zu den Baukosten 30 Prozent für die Planung und 23 Prozent als Ablöse für den späteren Abbau und die Wartung der Wände aufschlagen. "Damit ist die Summe quasi nur noch die Hälfte wert", empört sich Brücker. "9000 Euro pro Meter Lärmschutzwand ist Abzocke", sagt IG-Mann Schröder.
Erst am Donnerstag waren Vertreter der IG in Berlin von Jörg Hennerkes (SPD), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, empfangen worden. Dieser habe versichert, dass sich das Ministerium gegen die von der Bahn geforderten Ablösesummen einsetzen wolle. Zudem habe Hennerkes zugesichert, dass alle Brücken entlang der Strecke "entdröhnt" würden. Nichtsdestotrotz bleibe die IG bei ihrer Forderung, dass die Bahn die Geschwindigkeit ihrer Züge an den Stellen auf Tempo 30 reduzieren müsse, an denen noch keine Lärmschutzwände stehen.
Quelle:
http://www.abendblatt.de/daten/2007/09/24/797711.html