Giftmülltransporte gestoppt

Veröffentlicht am Samstag 16 Juni 2007 00:09:34 von uwe_schroeder

Wir erinnern uns: Eine kleine Truppe Schienenlärm-Aktivisten hatte das Eppendorfer "Mobility Center" der Bahn gestürmt, um die Angestellten zu informieren, dass ihr Arbeitgeber künftig Giftmüll transportieren will. Ole Constantinescu, der damalige Pressesprecher der Bahn, outete sich als Sympath: Er wollte gegen die IG Schienenlärm Anzeige wegen Hausfriedenbruch erstatten. Das ging natürlich kräftig in die Hose, wie so vieles bei der Bahn. Diesmal zum Glück! Auch der Giftmülltransport, genauer gesagt die hochgiftigen Abfälle des australischen Sprenstoffherstellers Orica, dürfen nun doch nicht über die Güterumgehungsbahn mitten durch Hamburg gefahren werden. Hat der nicht der hamburgische, sondern der Schleswig/Holsteinische Umweltminister beschlossen.



Heftige Proteste gegen die unsinnig gefährlichen Transporte gab es allerdings auch in NRW. Niemand wollte einsehen, dass australischer Giftmüll bei uns in Deutschland verbrannt werden muss. Zwar taktierten die die Wirtschaftminister von NRW und Schleswig/Holstein mit den Umweltministern der Länder. Aber letztlich war die Geschichte viel zu absurd, als dass sie der Bevölkerung hätte verkauft werden können: Giftmüll über 16.ooo km per Schiff nach Brunsbüttel (von der anderen Seite der Erde!) zu transportieren, dort die Hälfte der hoch schädlichen Ladung zu verbrennen, um den Rest dann durch Hamburg nach NRW zu transportieren und dort in den von Parteienfilz und Schmiergeldern hochgezüchteten Verbrennungsöfen anzuzünden und die umliegende Bevölkerung mit gesundheitsgefährlichen Abgasen in den sozialverträglichen Vorruhestand zu verabschieden.

 

Hamburg, so Umweltsenator Gedaschko, hätte auf die Transportgenehmigung wenig Einfluss. Hamburg sei nur Durchfahrtsland. Rechtlich gäbe es "eigentlich" nur Einwandsmöglichkeiten von den beiden Empfängerländern Schleswig/Holstein und NRW.

 

Dort übte man sich allerdings in monatelanger Bedenkenträgerei und gepflegter Entscheidungslethargie.

Tatsächlich ist ja der Skandal, dass wegen der von den Ländern selbst gezüchteten Überkapazität bei Müllverbrennungsanlagen (man hatte auch nicht mit dem Umweltbewußtsein der Bevölkerung und deren Müllvermeidung gerechnet) jede Menge Mülltourismus aus dem Ausland angelockt wird.

Deutschland wird sozusagen das Mallorca der Müllwerker. Denn die Umweltgesetzgebung verlangte einerseits hochabsorbierende Verbrennungöfen, andererseits ist gerade wegen des gestiegenen Umweltbeußtseins nicht mehr genügend Hausmüll für die Beimischung von richtig giftigen Substanzen vorhanden .

 

Dass nun der Kelch an uns vorüber ging, darf nicht davon ablenken, dass immer noch jeder siebte Güterwagen mit extrem gesundheitsgefährlichen Stoffen beladen ist. Dass diese Stoffe ausgerechnet durch die stark bewohnten Stadtteile in Hamburg gefahren werden sollen, ist Folge von verfehlter Verkehrspolitik, und zwar seit Jahrzehnten!

 

Wo war eigentlich Dirk Fischer, jahrzehntelang Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestages, als die Planung zur Ertüchtigung der Güterumgehungsbahn begann?

 

Wieso haben die Umwelt- und Verkehrssenatoren nicht frühzeitig "Stopp!" gesagt? Was hatte Eugen Wagner, SPD (genannt: Beton-Eugen), vor dem Kopf, als er ebenfalls jahrzehntelang die Verkehrspolitik der Stadt "gestaltete"?

 

Und was macht eigentlich der oberste Verkehrscellist, Wolfgang Tiefensee? Tiefenschlaf am Wolfgangssee? Der Meister der filigranen Töne sollte sich mal bei uns zur Tonprobe begeben, in Barmbek an die Güterbahn. Vielleicht zum Crescendo Furioso bei der zusammenbrechenden Brücke? Mit explodierenden Chemieabfällen aus Absurdistan.

 

Nein, bitte stoppen Sie diese Verkehrspolitik, Herr Tiefensee!


Giftmülltransporte gestoppt

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