Aufstand gegen die Lärm-Züge

Veröffentlicht am Montag 02 Mai 2005 18:52:00 von igschiene

von CHRISTOPHER PETER
Zuerst ist es ein dumpfes Grollen. Je näher ein Güterzug kommt, desto rhythmischer und donnernder wird es. Wenn Rentner Achim Borchert (73) mit Freunden auf seiner Terrasse sitzt, verstummen alle Gespräche. "Ich wohne schon immer am Rotbuchenstieg, bin ein Alsterdorfer Urgestein. Doch bald werden wir uns in unseren Häusern einbunkern müssen."


Der Grund: Die Bahn will die Güterumgehungsstrecke, eine Art Ring 2 zwischen Eidelstedt und Horn für den Zugverkehr von und nach Skandinavien, sanieren. "Schotter, Schwellen und Schienen werden erneuert", erklärt Henry Nestler, Chef des Sanierungsprogrammes der Deutschen Bahn Netz AG.

Die Auswirkungen sind drastisch: Statt 30 wie bisher, sollen künftig 84 Züge mit Tempo 80 (bisher 60) die Strecke entlangdonnern. "Die Länge der Gütertransporte verdoppelt sich. Täglich werden bald 76 Kilometer Waggons durch Wohngebiete rauschen", rechnet Borchert, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Schienenlärm vor. 60000 Menschen, drei Prozent der Bevölkerung Hamburgs, seien betroffen.

Darum war Dienstagabend der Sitzungssaal des Bezirksamtes Nord mit 300 Bürgern auch voll besetzt. Sprechchöre gegen die Bahn waren zu hören, die vom Umweltausschuss der Bezirksversammlung geladen war. Laut Gutachten ist trotz einer massiven Lärmsteigerung an der 15,3 Kilometer langen Strecke nur an 229 Wohngebäuden Lärmschutz vorgesehen. Das heißt, die Kosten für schalldichte Fenster und Lüfter werden zu 75 Prozent von der Bahn übernommen. Ein Viertel der Kosten zahlt der Eigentümer. "Ein Skandal", so Anwalt Michael Günther, der einige Anwohner vertritt. "Der Anstieg des Geräuschpegels hat eine 20-prozentige Minderung von Eigentumswerten zur Folge." Werte von "einer halben Milliarde Euro" würden so vernichtet.

Doch Forderungen nach aktiven Lärmschutzwänden lehnt die Bahn ab. Die einzige Hoffnung der Anwohner ist nun ein Runder Tisch - mit der Bahn. Nestler: "Solange für uns keine Mehrkosten entstehen, verschließen wir uns keiner Regelung."


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